Plenum 5

Plenum 5 Neue Polarisierungen auf alten Pfaden? Altersdifferenzierungen und Altersdiskriminierungen

Neue Polarisierungen auf alten Pfaden? Alters­diffe­ren­zie­rungen und Altersdiskriminierungen

Differenzierungen nach Alter gehören zu den wohl ältesten gesell­schaft­li­chen Praktiken der Unterscheidung und damit verbundener kollektiver Zu­wei­sung von Rechten, Pflichten, Verhaltensregeln, sozialem Status usw., weit­­­gehend unabhängig von individuellen Kompetenzen, Handlungen oder Merk­malen. Selbst die Diskurse im Kontext der Bewältigung der Pandemie zeigen deutliche (und kontrastierende) Tendenzen von Polarisierungen und auch Diskriminierung nach Alter: etwa bei der Bevorzugung älterer Men­schen bei der Impfung und ihrer (möglichen) Benachteiligung im Falle knapper Ressourcen (Stichwort ›Triage‹) oder aber bei der Verhandlung und Umsetzung von Corona-Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche in Kindergärten und Schulen. Insbesondere in Diskursen zur Zukunft der Ge­sell­schaft sind Differenzierungen nach Alter vermutlich allein schon auf­grund der typischerweise identischen Messung von menschlichem Alter und his­torischer Zeit naheliegend – aktuell etwa im Kontext von Fridays for Fu­ture (Stichworte ›Klimawandel‹ und ›ökologische Nachhaltigkeit‹). Die ak­tuellen Debatten verweisen dabei auf längerfristige Diskursstränge, in den genannten Beispielen etwa zu den ›Grenzen des Wachstums‹ bzw. der ›Ge­­nerationengerechtigkeit‹, der Zukunft der Sorgepraxen über alle Le­bens­­phasen hinweg (Stichwort ›Care-Krise‹) oder auch der Alterssicherung (Stich­wort ›aktives Altern‹). Sie verbinden aber gängige Diskurse so mit ak­tuel­­len Problemlagen, dass daraus auch neue am Alter ansetzende Iden­ti­täten und Polarisierungen entstehen, die gesellschaftliche Reaktionen und Lö­­­sungen erfordern.

Das Plenum rückt vor diesem Hintergrund Polarisierungen entlang des Al­ters in den Mittelpunkt, wobei unter anderem folgende Fragen auf­ge­wor­fen und diskutiert werden sollen:

  • Welche Ungleichheiten zwischen Altersgruppen und Geburtskohorten und welche Spannungen in den Generationenverhältnissen lassen sich der­­zeit ausmachen?
  • Wo, wie und durch welche Gruppierungen werden Polarisierungen ent­lang des Alters konstruiert, verhandelt, bearbeitet und mitunter auch ge­zielt stilisiert oder aufgelöst?
  • Welche Positionierungen, Handlungsräume, biographische Orien­tie­run­gen und Verläufe werden dabei für welche Individuen und Gruppen eröff­net und/oder verschlossen?
  • Welche methodischen Zugriffe ermöglichen belastbare Befunde zu je­weils aktuellen Polarisierungen von Jung und Alt?
  • Wie wirken Problemstellungen auf der Makroebene (zum Beispiel in So­zial­politik, Wirtschaft, Recht) auf die Polarisierungen zwischen den Al­ters­­gruppen auf der Mikroebene?
  • Inwieweit kann die Integrität der Generationenbeziehungen in alters­hete­ro­genen Kontexten zur Abmilderung potenzieller Genera­tio­nen­kon­flikte auf der Makroebene beitragen?

Ausrichtende Sektionen:            

  • Alter(n) und Gesellschaft
  • Familiensoziologie
  • Jugendsoziologie
    Soziale In­di­­ka­toren
  • Soziologie der Kindheit

Jury: